Freitag, 8. Juli 2016

Mein Lipödem und ich

Hallo liebe Leser,

wenn manche etwas über das Lipödem lesen, denken sie vielleicht "schon wieder so eine Modekrankheit - Frauen mit dicken Beinen müssen sich einfach mal zusammen reißen und abnehmen!"

Für Betroffene, so wie ich es bin, ist es eine bittere Realität.

Die Beine werden im Laufe der Zeit dicker, Schmerzen kommen dazu, Bewegungen sind unangenehm, Diäten versprechen keinen Erfolg, Hosenkäufe werden zum Horror und der Umfang der Beine passt einfach nicht zum oftmals schmalen Oberkörper.

Bis ich 14 war hatte ich eine sportliche und schlanke Figur. Dann veränderte ich mich.
Ich kam in die Pubertät und mein Körper wurde weiblicher und runder. Obwohl ich kaum an Gewicht zulegte, wurde meine Beinen unförmig. Meine Knie verschwanden irgendwo zwischen Ober- und Unterschenkel, meine Knöchel waren weg und meine Beine wirkten einfach stämmig.
Natürlich fiel es mir nicht sofort auf, sondern erst nach und nach. Ich sah andere Mädchen, unsere Oberkörper waren gleichschlank, nur meine Beine waren viel dicker.
Natürlich habe ich auch mal Witze über meine "Stampfer" gemacht und auch aus der Familie kam hier und da mal ein Spruch. Ich habe es halt so hingenommen.

Anfang 2011 war ich dann bei meinem neuen Hausarzt, der auch gleichzeitig Phlebologe ist. Ich zeigte ihm meine Knöchel und fragte ihn, ob es normal sei, dass meine Knöchel nicht so hervorstehen, wie bei anderen Menschen.
Er untersuchte meine Beine und teilte mir dann mit, dass ich ein Lipödem habe. Er sagte mir auch, dass es keine Medikamente gibt, die diese Krankheit heilen. Das war ein Schock.
Er besprach dann mit mir, wie die Therapie aussehen würde. Ich solle Kompressionsstrümpfe tragen. Ich war total verwirrt... Ich sollte mit Anfang 20 in solchen "Oma-Strümpfen" rumlaufen?!
Naja, es nützte nichts und ich bekam mein erstes Paar Kniestrümpfe. Sie waren der Horror... Bretthart, knackeeng und einfach schrecklich.
So ließ ich es dann mit der Zeit schleifen, trug die Strümpfe nicht und ging ohne sie munter durchs Leben.

Im vergangenen Jahr habe ich mich dann sehr intensiv mit der Krankheit beschäftigt und wusste "Friederike, so geht das nicht weiter". Also habe ich mir ein neues Rezept für Strümpfe geholt und seit Juli 2015 trage ich mindestens 6 Tage die Woche Kompressionsstrümpfe bzw. -strumpfhosen.

Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass ich mich jeden morgen in diese engen Teile reinzwängen muss. Ich habe gelernt, dass man sich auch mit Kompressionsstrümpfen/Strumpfhosen hübsch kleiden kann und dass man diese nicht unter Hosen verstecken muss.

Ich werde meinen Blog dafür nutzen meine Erfahrungen zu teilen und somit hoffentlich anderen Betroffenen Hoffnung zu machen und zu zeigen, dass man das beste aus der Situation machen muss.

Eure
Friederike

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